· Lösen deine Träume in dir nicht Angst aus, sind diese nicht gross genug
· Es ist unwesentlich wie langsam du dich bewegst - wesentlich ist es nicht zu stoppen.
· Zweifle jeden Augenblick, entscheide dennoch.
· Ändere dich, und du veränderst die Welt.
. Wage es, heute den ersten Schritt zu tun um deine Träume wahr werden zu lassen!

Sonntag, 26. Januar 2014

The SPINE RACE ein Abenteuerrennen über 440 Kilometer und 11000hm


Unendliche Weiten
Die letzten 300 Meter laufen wir in einem enormen Tempo, laufen über Asphalt, springen über Bordsteine ins feuchte Gras, queren die Hauptstrasse und sind endlich da. Vergessen sind die Schmerzen der letzten Tage und der Minuten vor dem Ziel.
Gipfelglück Pen-y-Gent
Nach 148h50' schlagen Thomas Ehmke und ich in Kirk Yeltholm, Schottland dem nördlichen Ende vom Penine Way am Pup an. Tränen des Glücks kullern über die Wangen, der Entspannung, glänzende Augen, Jubel, Blitzlichter aus den Tagen in der Natur durchströmen meinen Geist, mein Körper fühlt sich so lebendig und müde an wie noch nie in meinem Leben. Thomas und ich...
stehen nebeneinander erfreuen uns am Rufen und an den Gratulationen der Zuschauer, umarmen uns und geniessen diesen einmaligen Augenblick.

Spine Team: GER-CH aliance
Startlinie: the who is who of ultra-adventure-running
1. Tag 30k im Sack
Ich bin überglücklich, dass wir das Ziel erreicht haben. Zu viert waren wir mit dem Ziel gemeinsam im Norden anzuschlagen gestartet. Oliver Franz reiste mit einer noch zu wenig auskurierten Bronchitis an. Dies führte dazu dass Oliver am ersten Checkpoint beschloss dass Rennen zu beenden. Schade, waren wir doch in den ersten drei Tagen schon zu einer wilden und entschlossenen Truppe zusammen gewachsen. Als bester Freund von Michael hinterliss er als Mensch und Freund eine grosse Lücke.

Thomas im Zielglück
Sunrise auf dem Weg nach Norden
Michael Frenz hat sich während der vierten Etappe entschieden seinem Rhythmus zu folgen und auf mehr als Sichtweite zu Thomas und mir zu laufen. Dies aus Hingabe an das Rennen, aus Einsicht, dass er für sich und das Team den richtigen Entscheid trifft. Wohl waren wir unterwegs nicht in Sichtweite, doch wir trafen uns immer wieder an den Checkpoints, lachten zusammen und erzählten von und zeigten uns unsere Blessuren. War das ein Spass! Nie waren wir emotional getrennt, immer fühlte ich mich mit Michael verbunden, hatte das Gefühl gemeinsam das Rennen zu bestreiten. Michael erreicht ein paar Stunden nach uns das Ziel. Wir sind wieder vereint.

4*Hotel in Melham
Das Ding war schwer, sehr schwer, ein Drachen von einem Rennen. Es hat Biss, es wehrt sich bei jedem Tritt, verändert sich jeden Augenblick. Du weisst nie was kommt, musst nehmen was kommt, solange es kommt, wenn du denkst es ist vorbei kommt was neues. Und wenn du denkst es gibt nichts

Abstieg von Pen-y-Gent
Heftigeres, kommt was Gröberes. Dieser Drache serviert dir sein neustes Menu, seine wildeste Eigenkreation. Es fordert all deine Gelassenheit, deine Hingabe an dieses neue dir vorgelegt Hindernis. Bekämpfst du es bist du geliefert. Lässt du dich trieben stirbst du. Nimm es, schlucke es und gehe weiter, die nächste Aufgabe erwartet dich da wo du sie nicht erwartest......
Scratching the Sky, zwischen Himmel und Erde
Irgendwann kommt der letzte Berg, der letzte Abstieg, das Rufen der Wartenden, das Pup, the wall of honor, du schlägst an, du umarmst mit Tränen in den Augen deinen Partner der unterwegs zu deinem Freund geworden ist, es ist vollbracht.
Wege zum Glück
Unterwegs hatte ich ausser zwei kleinen Blasen an den Füssen nur eines, brennende und schmerzende Füsse. Dieses dauernde Brennen und die Schmerzen waren aussergewöhnlich. Noch heute, acht Tage nach dem Rennen fühle ich meine Fusssohlen wie sie brennen und wie die überreizten Nerven reagieren. Sie erinnern mich an den langen Weg den ich gegangen bin. Um dem vielen Wasser und dem Schmutz etwas Herr zu werden, trug ich wasserdichte Socken von Sealskins. Diese haben sich sehr bewährt. Obwohl ich regelmässig Salz, Magnesium- und Calziumkapseln sowie Vitamintabletten zu mir nahm, konnte ich unterwegs wahrnehmen wie nahe ich oft einem Muskelkrampf war. Eine Sehnenscheidenentzündung am rechten Handgelenk, entstanden durch den aktiven Stockeinsatz bei den Aufstiegen zwang mich nach zwei Tagen auf einen Stock zu verzichten.

Die Wege zum Glück zeigen sich in allen Varianten

Thomas: "The last man standing", irgendwo im Hochmoor
Insights irgendwo im Hochmoor
Recovering @ Gregs Hut mit Nudelsuppe
Ich fühle mich immer noch sehr müde und erschöpft und denke dass ich mich die nächsten Wochen besonders gesund und nährstoffreich ernähren werde und bin gespannt wie ich meinen ersten Lauf erleben werde.

Cross Fell, Schneeregen, Sturmböen und Nebel
Im Moment geistern in mir immer wieder Bilder und Emotionen durch den Kopf. Nachts wache ich schwitzend und erschöpft auf, will meine pflotschnassen Schuhe anziehen und weiter laufen, träume im Halbschlaf von der Wegsuche durch das Hochmoor, will mich weiterziehen, immer weiter durch dieses endlose Moor mit seinen Bächen, Wasserpfützen und tiefen Schlammlöchern. An meiner Seite vor oder hinter mir läuft immer Thomas. Seine unendlichen Ruhe und Gelassenheit wirkte ansteckend und entspannend. So folgte ich oft einfach nur seinen Reflektoren, sicher seiend dass Thomas den richtigen Weg wählt.

Die Erholung, die Verarbeitung, vor allem die Integration der Erfahrung in meinen Alltag braucht noch etwas Zeit. Meine Welt ist gut so wie sie jetzt gerade ist. Ich bin entspannt und generell von tiefem Frieden erfüllt.
Hadrians Wall, coming home

Hüttengaudi auf den Cheviots 25k to go
Die Anteilnahme der Menschen während und nach dem Rennen auf Facebook, Google+, per SMS und Telefon berührt mich immer noch und hat mich sehr gefreut. Wenn ich mit meinem Tun andere inspirieren kann, freut mich das sehr. Wenn Menschen, so hoffe ich zumindest, ermutigt werden ihre Träume zu leben, ihr Grösstes zu entfalten und so der Welt zu zeigen, dass jeder Mensch in seiner Urgestalt grossartig ist und es auf dieser Welt keinen Neid oder Missgunst bedarf um gross zu sein und zu leuchten wie ein Stern am Himmelszelt. Denn, wenn wir alle in der Farbe und Leuchtkraft strahlen die wir je wirklich sind, ergibt sich ein buntes farbiges Lichtermeer. Nur Strahlen und Leuchten.
The wall of honor
Ich fühle Stolz, sowohl die Challenger Strecke 175k / 2012 im 5. Rang, als auch die Lange Strecke mit Thomas Ehmke im 9. Rang und als erster Schweizer überhaupt beendet zu haben. Es ist als hätte ich meine Rennart gefunden. Dies sind Rennen wo der Wettkämpfer sich schmutzig macht, wo das Endergebnis auch von den Naturgewalten abhängig, man sich orientieren muss, wo Entschide weitreichende Konsequenzen haben, wo Menschlichkeit wichtig ist, da wo das Team und die Haltung eines jeden einzelnen wichtig ist. Da fühl ich mich zu Hause.